Pfarren

Riegersburg wurde als eine der ältesten Pfarren der Oststeiermark zusammen mit den Pfarren Waltersdorf, Pöllau und Hartberg um das Jahr 1140 geschaffen. Zur damaligen Zeit war der Landesfürst Patron der Mutterpfarre Riegersburg, der die elf Pfarren Ilz, Feistritz, Altenmarkt b. Fürstenfeld, Fürstenfeld, Söchau, Hatzendorf, Fehring, Feldbach, Paldau, Edelsbach und Hartmannsdorf unterstanden.

Damals war die Pfarre eine der reichsten in der Steiermark und ihre Priester zählten zu den angesehensten im Land, besonders als nach dem Jahr 1211 die Hauptpfarrer von Riegersburg das Patronatsrecht über die elf Vikariate der Pfarre erhielten und daher auch die Einkünfte, die aus den Filialkirchen zuflossen.

Die Abhängigkeit der Vikariate zur Hauptpfarre drückte sich darin aus, dass die Vikare zweimal im Jahr an der Spitze einer Pfarrprozession in der Hauptpfarre zu erscheinen hatten, ihren Lehensherrn anerkennen und ihm bei dieser Gelegenheit die Kirchenzehente und den Kirchenzins überbringen mussten.

Im Jahr 1514 stiftete der Besitzers der Riegersburg Hans von Reichenburg der Pfarrkirche fünf Kapläne, zwei Gesellpriester und einen Schulmeister und bekam dafür das Recht zugesprochen, dass er und seine Nachfolger in Zukunft abwechselnd mit dem Landesfürsten einen Priester für die Neubesetzung der Pfarre vorschlagen können.

Dass die Ideen Luthers auch in Riegersburg auf fruchtbaren Boden fielen, kann man daran erkennen, dass innerhalb von zwölf Jahren (1514 bis 1526) die Zahl der in der Pfarrkirche tätigen Priester von acht auf vier gesunken war. Die neue Lehre wurde zum Teil sogar von den "armen" Gesellpriestern aufgegriffen, weil sich diese von der Lehre des Reformators eine Besserung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Situation erwarteten.

Allerdings waren vor allem der Adel und seine Anhänger der lutherischen Lehre zugeneigt, Bürger und Bauern verblieben weiterhin beim katholischen Glauben.

Anzumerken ist, dass die Fertigstellung der Hauptpfarrkirche zum Hl. Martin in die Zeit der Reformation fiel. Dem damaligen Pfarrer Mathias Weinreben war es mit Unterstützung des Burgherren Hans von Reichenburg möglich, den um 1500 eingestellten Kirchenbau im Jahr 1520 zu vollenden. Die Ausbreitung des evangelischen Glaubens konnte Pfarrer Weinreben jedoch nicht verhindern.

Nach Jahren mit wechselnden lutherisch bzw. katholisch gesinnten Pfarrern kam erst mit Einsetzen der katholischen Gegenreformation (ab 1598) wieder eine einheitliche Lehre in die Pfarrkirche bzw. in die Filialkirchen. Kaiser Ferdinand III. stellte alle Bürger und Bauern vor die Wahl wieder katholisch zu werden oder auszuwandern. Die evangelische Religionsausübung wurde verboten und die evangelischen Prädikanten wurden aus dem Land gewiesen.

1635 kam auf Vorschlag der damaligen Burgherrin Anna Ursenbeck Wolfgang Strobel als Hauptpfarrer nach Riegersburg, der auf Grund seiner Streitereien mit der späteren Burgherrin Katharina Elisabeth von Galler Berühmtheit erlangte.

Im Jahr 1653 bewilligte Kaiser Ferdinand III. auf Drängen der "Gallerin" der Herrschaft von Riegersburg das alleinige Patronatsrecht über die Pfarre. Dies führte zu einem erbitterten Machtkampf zwischen der Burgherrin und Hauptpfarrer Strobel, bei dem es vor allem um wirtschaftliche und finanzielle Interessen ging und der auch in Gewalttätigkeiten ausuferte. Das Recht der Herrschaft Riegersburg den jeweiligen Hauptpfarrer vorzuschlagen wurde seit 1653 regelmäßig wahrgenommen und erst 1979 von der Familie Liechtenstein zurückgelegt. Ebenfalls 1979 wurde der Sitz des Hauptpfarrers vom alten Pfarrhof im nördlichen Bereich des Marktes in den neuerbauten Pfarrhof bei der Pfarrkirche verlegt.